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3. April 2025

SV-Interview mit Herrn Schermer

Am 03.04.2025 führte die Schülervertretung des Gymnasiums Konz ein Interview mit dem stellvertretenden Schulleiter Steffen Schermer, damit die Schulgemeinschaft ihn besser kennenlernt. Herr Schermer stellte sich offen und schülernah den Fragen der SV, der ein großer Dank für die formulierten Fragen und das generelle Engagement gilt!

Von welcher Schule kommen Sie, und was hat Sie dazu bewegt, an unser Gymnasium zu wechseln?

Ich komme von der ursprünglichen Gesamt- jetzt Gemeinschaftsschule Marpingen. Der Wechsel ans Gymnasium Konz hat mich aus vielen Gründen interessiert.

Zum einen war ich ca. 10 Jahre stellvertretender Schulleiter in Marpingen und habe an der Schule viele Dinge ins Leben gerufen und sehr aktiv Schulentwicklung vorangetrieben. Dabei habe ich meine Stärken in den Dienst der Schule stellen können und sie in eine meiner Meinung nach gute Richtung mitgeformt. Ideenlos war ich bezüglich Marpingen zwar nicht, aber größere Projekte stehen dort aktuell zumindest in „meinem“ Bereich nicht mehr an. Dieser Fakt und die lange Zeit in Marpingen haben in mir den Wunsch nach Veränderung geweckt. Daher habe ich mich nach Veränderungsmöglichkeiten umgesehen.

Der andere Aspekt war, dass mit dem Schulwechsel, wenngleich der nicht so groß war, wie er eventuell erscheint, da wir in Marpingen schon seit ich dort begonnen habe, eine eigene Oberstufe hatten, sowohl ein Schulartwechsel als auch ein Bundeslandwechsel verbunden war. Veränderung war also definitiv gegeben. Ich finde es spannend, neue Aufgaben anzugehen.

Welche drei Worte würden Sie selbst am besten beschreiben?

In beruflicher Hinsicht? Hier würde ich sagen loyal, kooperativ, pragmatisch, engagiert, kann schlecht zählen.

Welche Hobbys und Interessen haben Sie in Ihrer Freizeit?

Ich mache gerne Musik. Manchmal darf es aber auch ein Date mit der Playstation sein.

Welche Erfahrungen aus Ihrer eigenen Schulzeit haben Sie besonders geprägt?

Das ist ein großes Thema! Ich war die meisten Jahre meiner Schulzeit in einer Klasse, die eine sehr seltsame Struktur hatte. Da gab es 1 oder 2 – nennen wir es Führungspersönlichkeiten mit Einstellungen und Ansichten, die ich nicht geteilt habe. Daher habe ich mich dieser Hierarchie nicht unterworfen, was mich zum Einzelgänger gemacht hat. Das entspricht eigentlich nicht meinem Naturell und hat mir das Leben in der Schule nicht leicht gemacht. Dafür hat es zum Teil die Grundlagen dafür gelegt, wer ich geworden bin – jemand mit Antennen für das soziale Miteinander und mit einem großen Maß an Empathie. Das macht mir das Leben in der Schule jetzt wiederum leichter.

Gibt es eine Person – Lehrerin, Mentorin oder Vorbild –, die Sie besonders inspiriert hat?

Auf jeden Fall. Ich wollte eine Mischung aus meinem Erdkunde-LK-Lehrer Herr Hartmann und Chemie-LK-Lehrer Herr Neumüller werden. Eine Mischung aus jemandem, der fließend die Fremdsprache „Ironisch“ spricht, komplexen Lernstoff verständlich erklärt und faire, transparente Noten gibt. Ob mir das gelungen ist, müsst ihr jetzt jemand anderen fragen.

In welchen Fächern unterrichten Sie, und was begeistert Sie besonders daran?

Studiert habe ich Germanistik und Chemie. Seit Jahren unterrichte ich aber kaum Deutsch, weil es an meiner alten Schule wie auch hier einen großen Mangel an Chemielehrkräften gibt. Außerdem habe ich fachfremd so einiges unterrichtet. Wenn ich ehrlich bin, begeistert mich am Unterrichten hauptsächlich, dass man miterleben und Teil sein darf am Fortschritt der Schülerinnen und Schüler. Ich mag es, kognitive Konflikte aufzuwerfen und entweder gemeinsam diese mit der Klasse als Team zu lösen oder der Klasse durch entsprechende Aufgabenstellungen zu zeigen, dass sie solche scheinbaren Dissonanzen mit ihrem erworbenen Fachwissen auflösen können.

Was hat Sie ursprünglich dazu motiviert, Lehrer zu werden?

Das eben Gesagte: Teil sein zu dürfen und miterleben zu können, wie junge Menschen sich weiterentwickeln, dabei über das Vorleben der eigenen Werte den Keim für ähnliche Werte in anderen Menschen säen zu können und so ein klein wenig dazu beitragen zu können, wie die Welt sich in Zukunft entwickeln wird.

Warum haben Sie sich entschieden, die Position des stellvertretenden Schulleiters zu übernehmen?

Für diese Position habe ich mich vor gut 10 Jahren entschieden. Die Beweggründe waren, dass ich damals als „normaler Lehrer“ schon in Steuergruppe, Personalrat und anderen Gremien gearbeitet habe, um bei Schulentwicklung mitzuwirken. Zunächst war ich dann mit knapp halber Stelle abgeordnet an einem Lehrerfortbildungsinstitut und habe dort an fremden Schulen Studientage für die Lehrkräfte durchgeführt im Bereich „neue Medien“. Ich habe dabei gemerkt, dass mir diese Arbeit mit Lehrkräften ebenso liegt, wie mir Schulentwicklung der eigenen Schule am Herzen liegt. Da war es nur logisch, dass ich eine Stelle anstrebe, auf der ich stärkeren Einfluss auf die eigene Schulentwicklung habe sowie die Möglichkeit besitze, neben den Schülerinnen und Schülern auch mit Lehrkräften zu arbeiten. Also bin ich in die erweiterte Schulleitung, ein Sprungbrett, von dem aus man sich dann irgendwann auch gut auf eine Schulleiterstelle bewerben kann.

Was war die größte Herausforderung in Ihrer bisherigen Laufbahn, und wie sind Sie damit umgegangen?

Herausforderungen gab es viele. Die größte ist wohl immer die, vor der man aktuell steht. Zwei der größeren Herausforderungen waren zum einen Corona und der schnell zu organisierende „Heimunterricht“. Hierfür habe ich an meiner alten Schule ein kleines Team an Lehrkräften gebildet mit hohen technischen Kompetenzen und 2 kritischen Freunden. Das waren technisch wenig affine Kollegen. Gemeinsam haben wir dann eine virtuelle Umgebung erstellt, über die möglichst abwechslungsreicher Unterricht möglich war, die aber auch einfach bedient werden konnte (dafür die kritischen Freunde).

Welche konkreten Ziele haben Sie für unsere Schule in den kommenden Jahren?

Das ist schwer zu sagen. Zum einen bin ich noch dabei die Schule kennen zu lernen, zum anderen weiß ich nicht, wie genau die Stellen- und Aufgabenverteilung nächstes Jahr an der Schule sein wird. Wenn ich in Zukunft federführend Schulentwicklung machen sollte, dann wäre der erste Schritt gemeinsam mit den Lehrkräften, der Schülerschaft und den Eltern herauszuarbeiten, an welchen Stellen das Gymnasium Konz seine drängendsten Entwicklungsfelder hat. Dann kann man gemeinsam überlegen, wann, wie, in welcher Gruppe und mit welchen Mitteln und Werkzeugen man diese Dinge angeht.

Was definitiv gar nicht geht, ist: Eine eigene Idee haben und diese top down durchsetzen. Ohne echten Rückhalt für eine Idee in der Schulgemeinschaft sind größere Entwicklungsvorhaben zum Scheitern verurteilt.

Welche Aspekte der Schulentwicklung liegen Ihnen besonders am Herzen?

Das habe ich im Prinzip schon größtenteils beantwortet. Schulentwicklung geht nur gemeinsam. Die tollste Idee taugt nichts, wenn man diese Idee als einziger toll findet. Daher ist es mir wichtig, zunächst herauszufinden, was tatsächlich gerade wichtig ist für die Schule. Das kostet zwar Zeit, die ist aber sehr gut investiert. Blinder Aktionismus, um seine eigene Idee durchzudrücken oder noch schlimmer, um sich zu profilieren, bringt keine guten Ergebnisse und baut – zurecht – Widerstände auf.

Gibt es ein Schulprojekt oder eine Veränderung, die Sie gerne umsetzen würden?

Eines? Oh je… wo fange ich da an? Ideen habe ich viele. Ich habe tolle Schulpreisträgerschulen gesehen. Das inspiriert. Ich versuche einigermaßen auf dem Laufenden zu bleiben bezüglich aktueller Hirnforschung und Lerntheorie. Das wirft Fragen zum aktuellen Schulsystem auf. Gib mir also einfach ein paar Millionen Euro, Klassen mit 16 Schüler*innen, offene Lernumgebungen und eine top EDV-Infrastruktur, dann zaubere ich eine wunderbare Schule.

Im Ernst: ein mir wirklich wichtiges Projekt, wenn man das so nennen kann, ist die Steuergruppe. Das ist eine Gruppe engagierter Lehrkräfte hier an der Schule, die sich bereit erklärt haben, Schulentwicklung am Gymnasium in die Hand zu nehmen. Diese Gruppe hat nun aktuell das erste Mal getagt und beginnt nun die Weichen zu stellen, um mit der inhaltlichen Arbeit beginnen zu können. Diese Gruppe wird der Dreh- und Angelpunkt der Schulentwicklung. Wie vorher schon erwähnt: Es geht nur gemeinsam.

Wie sieht für Sie eine moderne und zukunftsorientierte Schule aus?

Eine Schule, die stehen bleibt, geht in der Zeit rückwärts. Zukunftsorientiert ist daher eine Schule, die sich dessen bewusst ist und die sich daher nicht reduziert auf das Unterrichten. Eine Schule, die Demokratie in dem Umfang lebt, in dem es im System Schule möglich ist. Eine Schule, die sich als Gemeinschaft versteht und nicht als eine Ansammlung von angeblichen „Mainstream-Gruppen“ und „Außenseitern“. Eine Schule, die verschiedene Meinungen zulässt, aber auch eine Schule, die Stellung bezieht gegen unsolidarisches Handeln. Kurz: eine Schule, in der das Leben und Handeln in der Schulgemeinschaft und aus der Schulgemeinschaft heraus Vorbild für die Gesellschaft sein sollte.

Welche Werte sind Ihnen im schulischen Alltag besonders wichtig?

Loyalität, Solidarität, Respekt, soziales Miteinander

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern vor?

Geprägt von Loyalität, Solidarität, Respekt und sozialem Miteinander.

Was würden Sie den Schüler*innen mit auf den Weg geben, um erfolgreich und glücklich durch die Schulzeit zu kommen?

Nicht nur auf Unterricht und Noten fokussieren. Schaut nach links und rechts, nehmt auch mal die Vogelperspektive ein. Habt ein unterstützendes Auge aufeinander und nutzt die Möglichkeiten, die die Schule außerhalb des Unterrichts bietet. Gestaltet konstruktiv mit, was euch verbesserungswürdig erscheint. Und wer sich einbringt, darf auch das Feiern von Erfolgen nicht vergessen!

SV/S. Steinbach