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1. November 2026

Interview mit Schulleiterin Nadine Arendt

Schulblog KONZequent im Austausch

KONZequent: Unsere erste Frage ist: Von welcher Schule kommen Sie zu uns und wieso haben Sie sich bei uns als Schulleiterin beworben?

Frau Arendt: Das war ein großer Schritt. Ich war vorher stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium in Saarburg. Dort habe ich vor mehr als 20 Jahren mein Referendariat gemacht. Dann durfte ich als relativ junge Kollegin an einer zweijährigen Weiterqualifizierung zur Beraterin für Schulentwicklung teilnehmen. Diese hat mein Selbstverständnis als Lehrerin sehr stark geprägt. Und rückblickend würde ich auch sagen, dass das eigentlich den Grundstein für ganz vieles gelegt hat, beispielsweise wie ich heute bin in meiner Rolle als Lehrerin. Aber zum damaligen Zeitpunkt wusste ich das natürlich alles noch nicht. Eine Frage hat mich eigentlich seit jener Zeit immer ganz stark beschäftigt, nämlich: Was brauchen Schülerinnen und Schüler eigentlich? Es gibt keine einfache und eindeutige Antwort darauf.

KONZequent: Was wäre Ihre heutige Antwort?

Frau Arendt: Was ihr braucht? Ihr braucht eine gute Mischung aus Kulturtechniken (Rechnen, Lesen und Allgemeinwissen) und Kompetenzen. Also diese so genannten „future skills“: im Team arbeiten können und gute Kommunikationsfähigkeiten. Das wird in Zukunft immer wichtiger und dazu kann man als Lehrkraft im eigenen Unterricht viel beitragen. Ich merkte jedoch, ich hatte Lust, das nicht nur in meinem Unterricht zu machen, sondern in einem etwas größeren Rahmen für Schule. Und deshalb habe ich dann die Gelegenheit wahrgenommen, Schulleiterin bei euch zu werden.

KONZequent: Und haben Sie Stärken, die sich in Ihrem Beruf als Schulleitung als vorteilhaft erweisen?

Frau Arendt: Ich glaube schon, dass ich Stärken habe, ob diese sich als vorteilhaft erweisen, das liegt dann ja letztlich an euch, das zu bewerten. Ich glaube, dass ich neugierig und offen für Neues bin. Und wenn ich eine Idee habe oder einen Impuls bekomme, dann habe ich keine große Scheu, das auszuprobieren. Und das heißt, dass auch mal etwas schief gehen darf, dass nicht immer alles auf Anhieb funktionieren muss. Ich bin auch niemand, der große Angst davor hat, Fehler zu begehen, weil ich glaube, dass Fehler zwingend wichtig für Entwicklung sind. Man muss für sich herausfinden, woran es gelegen hat und was man daraus lernt. Wobei es auch nicht nur um Veränderung geht; es geht auch darum zu schauen, wo es sich lohnt, Dinge zu bewahren, die wir haben, die an der Schule schon gut laufen. Also nicht alles, was neu ist, ist gut und nicht alles, was alt ist, ist schlecht.

KONZequent: Haben Sie irgendwelche Erwartungen an die Schülerinnen und Schüler hier?

Frau Arendt: Ja, aber nicht grundsätzlich an die Schüler dieser Schule, sondern an Schülerinnen und Schüler allgemein. Ich erhoffe mir, dass ihr Schülerinnen und Schüler es auch in unserem durchaus altehrwürdigen Schulsystem schafft, maximal neugierig zu sein, dass ihr Spaß daran habt, die Welt zu entdecken. Auch, dass ihr keine Angst habt, Fehler zu machen, oder es gut hinnehmen könnt, wenn auch mal was schief geht. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr Schule als sicheren Ort wahrnehmen könnt und ich wünsche mir auch, dass Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer nicht als die Person wahrnehmen, die sie nur bewertet, sondern als Menschen, die euch auf einem wichtigen Stück eures Lebens begleiten und auf das vorbereiten, was euch dann später erwarten wird. Was auch wichtig ist und das erwarte ich wirklich, ist, dass Schülerinnen und Schüler zunehmend lernen, also von der 5. hin bis zur 13. Klasse, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, aber eben auch für andere, auch für die Schulgemeinschaft. Ich glaube, dass das etwas ist, was in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird und dazu gehören für mich Respekt, Empathie und ein wertschätzender Umgang.

KONZequent: Welche Rolle wollen Sie für die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Konz einnehmen und wie wollen Sie von den Schülerinnen und Schülern gesehen werden?

Frau Arendt: Ich hoffe sehr, dass meine neue Rolle für die Schülerinnen und Schüler nicht bedeutet, dass sie Distanz schafft, sondern ich möchte schon, dass ich wahrgenommen werde als jemand, bei dem die Tür offen steht, und dass ich auch die Schülerinnen und Schüler mit ihren Anliegen, die sie haben, ernst nehme. Ich schaue hin und ich versuche auch etwas zu ändern, wenn ich das kann. Also Respekt vor der Rolle, klar, aber eben auch Vertrauen in mich als Person und als Mensch.

KONZequent: Sie sind in der ersten Woche in alle Klassen gegangen und haben sich vorgestellt. Das haben die vorherigen Schulleiter nicht getan. Wollten Sie damit dann auch schon zeigen, dass die Tür offen steht?

Frau Arendt: Ich frage mal als erstes zurück. Wie kam denn das bei euch an? Also bei euch dreien vielleicht persönlich? 

KONZequent: Man wusste so gleich, wer jetzt unsere Schule leitet, und somit kam das sehr positiv an.

Frau Arendt: Das freut mich. Es liegt ja an mir, auf euch zuzugehen, da ich ja „die Neue“ bin. Und wenn dies bei euch positiv ankam und ihr das Gefühl bekommen habt, dass die Tür offen steht, dann ist das umso besser.

KONZequent: Und hat Sie etwas Bestimmtes dazu motiviert,den Lehrer-Job und jetzt auch den der Schulleiterin anzutreten?

Frau Arendt: Ja, natürlich. Du sagst „Job“, ich bin noch nie auf die Idee gekommen, das hier als meinen Job zu bezeichnen. Ich bin früher immer gerne als Schülerin in die Schule gegangen. Und ich habe durchweg von der Grundschule bis zum Abitur wirklich auch tolle Lehrerinnen und Lehrer erlebt, bei denen sich das Lernen nicht anstrengend oder nach klassischem Lernen angefühlt hat. Gleichzeitig hatte ich auch solche, bei denen ich dachte, das muss besser gehen. Die Mischung aus beidem hat zu der Entscheidung beigetragen, Lehramt zu studieren. Sport war immer eine große Leidenschaft von mir. Ich habe früh damit angefangen, nicht nur selbst Sport zu treiben, sondern auch im Verein Kinder und Jugendliche zu trainieren. Da habe ich sofort gemerkt, dass mir das liegt. Ich habe eine ganz gute Verbindung zu Kindern und das war dann letztlich auch der ausschlaggebende Grund. Schulleiterin zu werden, war zunächst überhaupt nicht Plan. Es hat sich ergeben. Man wird ja auch nicht sofort Schulleiterin, das geht Schritt für Schritt. 2016 übernahm ich in Saarburg die GTS-Koordination. Dann wurde ich stellvertretende Schulleiterin. Es hat sich immer relativ kurzfristig eine Tür geöffnet. Und dann hat man eben die Wahl: Geht man durch oder geht man daran vorbei? Ich bin einfach durchgegangen. Und so war es jetzt auch. Ernsthaft auseinandergesetzt mit der Möglichkeit, Schulleiterin zu werden, habe ich mich eigentlich erst relativ kurz, bevor die Stelle auch ausgeschrieben war.

KONZequent: Die Werte unserer Schule hängen mit Nachhaltigkeit, Modernität und Demokratie zusammen. Wie haben Sie vor, diese Punkte in Zukunft zu unterstützen?

Frau Arendt: Alle drei Bereiche haben etwas mit Verantwortung zu tun. Beim Thema Nachhaltigkeit finde ich es heutzutage unverantwortlich, sich keine Gedanken darüber zu machen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Gerade wir in Europa verbrauchen deutlich mehr Ressourcen, als es auf Dauer für unseren Planeten gut sein kann. Schule hat deshalb auch die Aufgabe, dafür ein Bewusstsein zu schaffen und natürlich selbst zu überlegen, wo sie nachhaltiger handeln kann. Demokratie wiederum ist für mich etwas unbedingt Schützenwertes. Wir erleben gerade weltweit, dass demokratische Werte und Strukturen keineswegs selbstverständlich sind. Umso wichtiger finde ich es, jungen Menschen zu vermitteln, was Partizipation, Teilhabe und Verantwortung bedeuten. Schule sollte ihnen die Möglichkeit geben, dies zu erleben. Und Modernität bedeutet für mich, Schule nicht als einen Ort zu verstehen, an dem Schülerinnen und Schüler mit möglichst viel Wissen abgefüllt werden. Genauso wichtig wie Wissen sind bestimmte Kompetenzen, um sich später in der Welt zurechtzufinden, die sich heutzutage ständig ändert. Wie wir diese drei Bereiche am Gymnasium Konz konkret mit Leben füllen, möchte und kann ich allerdings nicht alleine entscheiden. Es sollte ein gemeinsamer Prozess sein, an dem Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie die Lehrkräfte beteiligt sind.

KONZequent: Welche Eigenschaften schätzen Sie an sich am meisten? 

Frau Arendt: Eine Eigenschaft, die mich ziemlich gut beschreibt, ist Zuverlässigkeit; wenn ich etwas zusage, dann kann man sich normalerweise darauf verlassen, dass ich es umsetze. Außerdem bin ich sorgfältig und habe einen hohen Anspruch an mich selbst und an die Dinge, die ich tue. Gleichzeitig kann ich aber auch sehr entspannt sein und Sachen ohne Vorurteile angehen. Was mich außerdem ausmacht, ist meine Authentizität. Ich verstelle mich nicht gerne und möchte auch als Schulleiterin keine Rolle spielen. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen mir als Schulleiterin und mir als Privatperson – privat bin ich sicherlich noch etwas lockerer. Aber beides bin ich.

KONZequent: Haben Ihre beiden Fächer Auswirkungen auf Ihre Entscheidungen als Schulleiterin?

Frau Arendt: Ich unterrichte Englisch und Sport. Der Gedanke, dass ich als Schulleiterin Entscheidungen treffen könnte, bei denen meine eigenen Fächer in irgendeiner Form bevorzugt werden, ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen. Natürlich prägen einen die eigenen Fächer und wahrscheinlich auch die Art, wie man auf Schule und Unterricht schaut. Aber bei meinen Entscheidungen als Schulleitung versuche ich, die Schule als Ganzes im Blick zu habe. Ob eine Entscheidung für Englisch oder Sport besonders günstig ist, spielt dabei für mich keine Rolle. Am Ende muss eine Entscheidung für die Schüler und Schülerinnen und für die Schule insgesamt sinnvoll sein. Das ist für mich der Maßstab.

KONZequent: Sie sind ja schon seit ein paar Wochen an dieser Schule: Was ist Ihnen positiv aufgefallen, beziehungsweise wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Frau Arendt: Was mir sofort positiv aufgefallen ist – neben den echt grandiosen Sportstätten – ist natürlich die Atmosphäre an der Schule. Ich habe die Schülerinnen und Schüler von Anfang an als höflich, offen und zugewandt erlebt und bin mit vielen ganz schnell ins Gespräch gekommen. Das Gleiche gilt für die Eltern und für das Kollegium.

Ich glaube, dass das Klima und die Atmosphäre an einer Schule – eigentlich in jeder Organisation – unglaublich wichtig sind. Menschen müssen sich wohl und sicher fühlen, damit sie gut lernen beziehungsweise gut arbeiten können und da habe ich das Gymnasium Konz von Anfang an als einen sehr angenehmen Ort erlebt.

Mit dem Begriff „Verbesserungspotenzial“ tue ich mich dagegen tatsächlich ein bisschen schwer, weil er für mich so klingt, als müsste ich jetzt erst einmal aufzählen, was hier alles nicht so gut läuft. Ich würde viel lieber von Entwicklungspotenzial sprechen. Entwickeln können und sollten sich Menschen genauso wie Schulen und andere Organisationen immer. Und dabei geht es für mich auch nicht darum, in welche Richtung ich persönlich die Schule gerne verändern möchte. Mich interessiert viel mehr: Wo möchte die Schulgemeinschaft hin? Was ist uns wichtig? Was möchten wir bewahren und wo möchten wir uns weiterentwickeln? Meine Aufgabe als Schulleiterin sehe ich darin, gemeinsam mit allen Beteiligten eine Richtung zu entwickeln und möglichst gute Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir diesen Weg auch gehen können.

Wir als Schulblog „KONZequent“ wollen uns noch einmal herzlich bei Frau Arendt dafür bedanken, uns die Möglichkeitzum Interview geboten zu haben. Es war sehr spannend, Sie in kleiner Runde kennenzulernen und Ihre Meinung, Motivation, Ihre Vorschläge und Erwartungen so ehrlich aus Ihrer Perspektive zu hören. Vielen Dank!

KONZequent, N. Kallenborn, S. Steinbach