Am Donnerstagmorgen, den 7. April, standen wir samt Campinggepäck verschlafen, unsicher und neugierig darauf, was uns wohl erwarten würde, auf dem Lehrerparkplatz und verteilten uns auf die beiden bereitstehenden Kleinbusse.

Nach einer ereignislosen Fahrt, die dank unseren souveränen Busfahrern Jücker und Pauly ohne jegliche Probleme verlief, kamen wir endlich in Taizé an. Der erste Eindruck war durchaus positiv: obwohl der Himmel von Wolken bedeckt war und der kalte Wind uns zittern ließ, sah das kleine Dorf mit seinen alten Gebäuden und blühenden Gärten sehr einladend aus.

Nach einer kurzen Einweisung, wie sich unser Aufenthalt in der Communauté von Taizé gestalten würde, richteten wir uns in den uns zugewiesenen Baracken ein.

Zugegeben, nun ließ unser Optimismus ein wenig nach: es war kalt und die Wettervorhersage versprach uns schlechtes Wetter.

Um 17:00 h war es dann Zeit für den Nachmittagstee, der unsere erste Mahlzeit in Taizé sein würde. Der lauwarme, zuckersüße Instanttee und ein kleines Schokocroissant munterten uns schnell ein wenig auf. Frisch gestärkt machten wir uns erstmal auf Erkundungstour.

Bald kannten wir uns gut aus: Der Empfangsbereich, den wir ja schon kannten, befindet sich am Anfang der Anlage in einem Haus, das „Casa“ genannt wird. Gegenüber befindet sich das „Oyak“, ein Ort, an dem sich Jugendliche spät abends treffen, um zu tanzen, zu singen und zu feiern.

In der Mitte der Anlage steht die Kirche und ein wenig weiter die Krankenstation „El Abiodh“, die von Baracken umgeben ist. Genau gegenüber den Baracken sind die Camping- und Parkplätze.

Nach unserer Erkundungstour war es auch bald Zeit für das Abendessen. In Taizé gibt es, wie wir im Laufe der vier Tage bald merkten, relativ kleine Portionen: Jeder erhält eine Suppenkelle voll Hauptspeise, dazu etwas Baguette, Obst und einen kleinen Nachtisch.

Die Nudeln mit Pesto, die es an unserem ersten Abend gab, schmeckten zwar gut, da wir aber bezweifelten, dass uns das Abendessen lange satt halten würde, zogen wir uns für die nächste Stunde in unsere Baracken zurück und verspeisten einen Teil der Vorräte, die wir noch von der Busfahrt übrighatten. J

Um 20:30 h kamen alle in der Kirche zum Abendgebet zusammen.

Wir erwarteten einen Gottesdienst, wie wir ihn von zuhause gewohnt waren: nach ein paar vorgesprochenen Gebeten und Bibelausschnitten würde jeder brav mitsprechen, ein oder zwei Lieder singen und dann die Kirche verlassen, doch da lagen wir falsch:

Die Messe, an der auch die „weißen Brüder“ des Taizé-Mönchordens teilnahmen, wurde mit einem oder zwei Gesängen eröffnet. Nach einem kurzen Gebet, an das sich wieder Gesang anschloss, gab es eine Lesung eines Bibelausschnittes, der in mehreren Sprachen vorgetragen wurde. Nachdem wieder einige Lieder gesungen wurden, folgte eine „stille Zeit“ von etwa 10 Minuten.

Das Besondere an den Taizé-Messen war für uns, dass der Gottesdienst nach den Fürbitten, dem Vaterunser und den Schlussgebeten durch Lieder ausgeklungen ist.

Durch den Gesang wird die sonst oft so zergliederte Messe hier zu einem Ganzen, was nicht nur unglaublich entspannend, sondern auch verbindend ist. So ist man bis zu drei Stunden abends in der Kirche geblieben und hat mit den Mönchen und anderen Taizé-Besuchern als eine Einheit gesungen, ohne dass Nationalität, Geschlecht, Alter oder Hautfarbe eine Rolle gespielt hätten.

Wir verließen die Kirche schließlich um halb elf abends und begaben uns zur Nachtruhe in unsere Baracken. Die Nacht war unglaublich kalt. Wir kamen vor lauter Frieren kaum zum Schlafen und mussten am nächsten Morgen missmutig feststellen, dass die Heizung nicht funktionierte, sodass wir uns auf weitere eisige Nächte gefasst machen mussten.

Zum Glück gab es eine Deckenausleihe und ein Helfer hatte so viel Mitleid mit uns, dass wir uns im wahrsten Sinne des Wortes „eindecken“ durften, obwohl die Öffnungszeit eigentlich schon vorbei war. Die nächsten Nächte waren so deutlich besser zu ertragen.

Für den Freitag stand folgender Tagesplan fest:

8:15 h: Morgengebet, danach Frühstück

10:00 h: Bibeleinführung, in der man sich auch mit anderen über seine Gedanken ausgetauscht hat, und praktische Mitarbeit in der Communauté für die über 16- jährigen Gäste

12:20 h: Mittagsgebet, danach Mittagessen

14:00 h: Üben der Gesänge (freiwillig)

15:15 h: Bibelgespräch für die über 16-jährigen Gäste und praktische Mitarbeit für die 15-16-jährigen

17:00 h: Tee

17:30 h: Treffen, Workshops (freiwillig)

19:00 h: Abendessen

20:30 h: Abendgebet

Die Gemeinschaft von Taizé wird nicht etwa durch feste Mitarbeiter verwaltet und unterhalten, sondern durch Jugendliche, die tatkräftig mit anpacken. Nur durch die praktische Mitarbeit aller Besucher funktioniert das „System Taizé“.

Es gibt keine Angestellten, die z.B. die Toiletten putzen oder das Essen kochen. Alles wird von den helfenden Jugendlichen im Wochenturnus erledigt. Da wir erst spät in der Woche ankamen, wurde uns allerdings keine Arbeit zugeteilt.

Da wir einen vollgepackten Stundenplan hatten, taten wir am Freitag wenig Anderes als das, was der Plan uns vorgab. Die Zeit zwischen den einzelnen Programmpunkten verbrachten wir damit, uns mit anderen auszutauschen, oder einfach nur in Stille, in der wir nachdachten oder uns ganz einfach ausruhten. Taizé-Orte wie der „Garten der Stille“ sind dafür perfekt geeignet.

Samstags kam dann endlich die Sonne ein wenig heraus und es wurde angenehm warm, solange man sich im Sonnenschein aufhielt. Samstagnachmittags besuchten wir die kleine Stadt Cluny, bewunderten die alten Gebäude und versorgten uns mit Proviant für die Rückreise.

Am Sonntag packten wir nach dem Morgengebet unser Gepäck zusammen und traten die Heimreise an.

Die gesamte Reisegruppe ist sich einig, dass diese vier Tage alles in allem zu den schönsten Tagen zählen, die wir bislang erleben durften.

Als wir versuchten, unserer Familie und unseren Freunden zuhause das Gefühl zu beschreiben, das die Gemeinschaft von Taizé uns vermittelt hat, mussten wir feststellen, dass dies nicht möglich ist.

Taizé hat eine unbeschreibliche Atmosphäre, die es schafft, selbst dem griesgrämigsten Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern und ihn an das Gute im Menschen glauben zu lassen.

Wir kamen zu dem Schluss, dass eine Mischung aus den anwesenden freundlichen Menschen, dem Gefühl, das man beim gemeinsamen Beten und Singen hat, sowie der Stille, die man sonst so im Alltag überhaupt nicht kennt, Taizé auf eine bedeutsame Weise anders macht.

Jeder aus unserer Reisegruppe, den ich gefragt habe, vermisst Taizé und die magische Atmosphäre, die wir dort erleben durften.

Wir würden jedem empfehlen, einmal eine Woche dort zu verbringen, ganz unabhängig davon, wie gottesgläubig jemand ist. Dort macht man eine Erfahrung fürs Leben.

 

Taizé 1

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