Beeindruckt von dem intensiven Spiel der jugendlichen Darsteller der Konzer Theater AG und der kompakten Dichte der Handlung hat das Publikum an den Abenden des 14. und 15. Juni die Aufführung des Brecht-Klassikers „Der gute Mensch von Sezuan“ am Gymnasium Konz mit großer Begeisterung aufgenommen.

 

Es handelte sich bei beiden Aufführungen gleichsam um Premieren, da sie unter der Leitung von Thomas Edelmann, Bettina Szewczyk, Kerstin Ost und Anne Krause mit fast vollständig unterschiedlichen Besetzungen mit insgesamt über 40 Schauspielern und Technikern – alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7-12 des Gymnasiums - über die Bühne gingen. Spielfreude tobte sich genauso aus, wie ein existenzieller Ernst sich geltend machte, um Brechts Anliegen gerecht zu werden: Denn Brecht nimmt die sich an uns Menschen richtenden Ansprüche aufs Korn, sich als gut erweisen zu müssen. In einer kapitalistischen Welt, wie man sie zu Brechts Zeiten vorfand und wie sie sich heute nicht minder drastisch manifestiert, sei es aber gar nicht möglich, gut zu sein. Es sei denn, man löste die Momente, in denen man Gutes tut, rechtzeitig durch Momente ab, in denen man mit äußerster Härte das eigene Überleben sichert. Mit anderen Worten: Bleibt die Welt, wie sie ist, muss man sich in einen guten und einen bösen Teil aufspalten und kann in ihr nicht als ein ganzheitlicher Mensch überleben. Berührend und erschütternd brachten die jungen Darstellerinnen (Greta Tödtmann, Paula Hennen, Annabelle Müller und Ronja Konz) die unentrinnbare Zerrissenheit einer Frau zum Ausdruck, die anderen mit Empathie begegnen will.

Wie viele nutzen einen solchen Menschen aus! Das wirkt sich bis ins Persönliche aus, sei es in der Liebe zu dem zugleich kühnen und skrupellosen Flieger Sun (herrlich selbstgefällig fies Felix Weber und Jaris Westram) oder in der Freundschaft zu dem geschundenen Wasserverkäufer Wang (hilflos diensteifrig und die Freundschaft hochhaltend Marco Heinisch und Maurice Stolze). Und auch der gute Mensch wird ein ums andre Mal schuldig, wenn er eingegangene Verpflichtungen durch sein böses anderes Ich wieder aufkündigen lässt.

Vor allem verschieben sich die Maßstäbe, wenn es unter diesen Verhältnissen als Entwicklung zum Guten empfunden wird, wenn einer zum erbarmungslosen Sklaventreiber in einer Fabrik aufsteigt. Ein Höhepunkt der Aufführung war in diesem Zusammenhang der Song vom achten Elefanten, der von Moritz Giese mit provozierender Kraft vorgetragen wurde.

Auf solche Weise wurde das Publikum mehrfach darauf gestoßen, dass die kapitalistische Weltwirtschaftsordnung dringend revidiert werden müsste. Obwohl oder gerade weil die Handlung mehrfach von Göttern kommentiert wird, denen unendlich daran liegt, die Welt so lassen zu können, wie sie ist, wenn nur ein guter Mensch beglaubigte, dass es sich in ihr aller Unkenrufe zum Trotz gut, d.h. rechtschaffen leben lasse. Die perfide Arroganz dieser Götter, die an den Überlegenheitsdünkel erinnert, mit dem der reiche Norden den armen Ländern des globalen Südens gegenübertritt, wurde durch das hinreißend komische Spiel ihrer Darsteller (Tim Fußangel, Saskia Altmeyer, Eryk Hustadt und Paul Hallmanns, Alina Becker, Cinzia Nguyen) der Lächerlichkeit preisgegeben.

So würde es auch Brecht hoffentlich nicht als einen Widerspruch sehen, wenn Zuschauerinnen und Zuschauer sich von dem Spiel der jugendlichen Akteure gepackt empfunden haben, um daraus in eine Nachdenklichkeit katapultiert zu werden, die die Beschaffenheit der Welt betrifft. Da hallt etwas nach von diesem Theaterabend am Gymnasium Konz.

Die Darsteller:

Shen Te:   Greta Tödtmann und Paula Hennen

Shui Ta:   Annabelle Müller und Ronja Konz

Wang, ein Wasserverkäufer:  Marco Heinisch und Maurice Stolze

Die drei Götter:  Tim Fußangel, Saskia Altmeyer, Eryk Hustadt und

                               Paul Hallmanns, Alina Becker, Cinzia Nguyen

Yang Sun, ein stellenloser Flieger: Felix Weber und Jaris Westram

Frau Yang, Suns Mutter:  Solveig von Oesen und Helena Betzl

Die Frau:  Juliane Fredel und Helen Manhart

Die Shin:  Philine Schneider und Jade Gunning

Der Mann:  Tony Trinh und Carl Denne

Der Neffe:  Carl Denne und Elias Cerra

Die Schwägerin:  Lily Rawnsley und Linda Tödtmann

Der Bruder:  Hanna Hettinger

Der Großvater:  Rafael Schwier und Fatih Demircan

Der Schreiner:  Delsin Altmeyer

Die Hausbesitzerin Mi Tzü:  Fancy Fregene und Melanie Hurth

Der Polizist:  Julian Rambow und Ileana Kuß

Der Teppichhändler und seine Frau:  Paula Conze und Darina Starodumova

Der Babier Shu Fu:  Fatih Demircan und Rafael Schwier

Der Arbeitslose:  Marie Domke

SWWW-Aktivist:  Paula Hennen und Tim Fußangel

Brecht-Aktivist:  Felix Weber und Alina Becker

 

Musik:

Gesangsolo:  Moritz Giese

Songaufbereitung und -betreunung: Gerd Demerath

Begleitsound:  Hybrid mit Empire

 

Bühnenbild:  Bettina Szewczyk unter Mitarbeit der Klasse 8a

Plakat: Marco Heinisch

Technik:  Christopher Kutsch, Moritz Kuß, Daniel Deutschen, Merlin Metzdorf, Luis Kugel, Johannes König, Lukas Roderich, Lukas Ruth, Robin Berens, Florin Große, Cedric Schneider, Dominik Ruth, Elia Metzdorf, Tobias Seifert unter der Leitung von Peter Bodewein und Alexander Fox

Gesamtleitung:  Thomas Edelmann, Kerstin Ost, Anne Krause und Bettina Szewczyk

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